Das Stadtgespräch schrieb am 11.09.2021: "Verbindungen schaffen - Preisverleihung für Studentenprojekt zur Gestaltung des Europaplatzes"

„Verbindungen schaffen“ war das Arbeitsthema von knapp 20 Studenten der Hochschule Osnabrück, die sich im Sommersemester 2021 im Rahmen des Projektes Vorentwurf am Lehrstuhl für Landschaftsarchitektur im 2. Semester mit einem Herzstück des ehemaligen Gartenschaugeländes befasst haben, dem Europaplatz.

Die Studenten, die sich an dem Gestaltungsprojekt beteiligt haben, wurden nun vom LaGa Förderverein ausgezeichnet. (Fotos: BWP Bad Iburg)

Der erste Platz ging an den Entwurf „wood-world of wisdom“.

Unter der Betreuung von Nadine Oestermeyer und Christian Lepper, frühere Mitarbeiter der LaGa gGmbH, wurden die jungen Studierenden mit großer Kompetenz und Ortskenntnis seitens der Hochschule betreut. Die Aufgabenstellung war bewusst offengehalten, um Kreativität und sprudelnde Ideen nicht einzuschränken. Gestalterisch sollten die Parkteile ehemaliger Friedhofsbereich, Themengärten, südlich benachbarte Bereiche, Rosengarten und Außenbereich der Gastronomie miteinander verbunden werden.

Alle fünf Gruppen haben sich intensiv mit den grundlegenden Gegebenheiten in Bad Iburg auseinandergesetzt. Dazu gehören die stadtbildprägenden Elemente wie Schloss, Wald und Topographie. Aber auch Bad Iburg als Gesundheitsstandort, mit dem Thema Kneipp und die nachhaltige Nutzung des Geländes. Zur Gliederung der umfassenden Stoffsammlung hatten alle Gruppen Mind Maps, Mood Boards und Funktionspläne erstellt. Auch Sichtbeziehungen, Wegeführungen und Nutzergruppen und ihre Ansprüche wurden intensiv untersucht. Obwohl die fünf Gruppen sehr unterschiedliche Ansätze für eine spätere Gestaltung hatten, waren alle zu dem Schluss gekommen, dass das Wegenetz im Untersuchungsbereich sehr unübersichtlich, die Flächen zu kleinteilig und wenig großzügig gestaltet sind. Man war sich einig, dass Spiel- und Aktionsflächen für Groß und Klein fehlen, dass den Belangen der Menschen mit Geheinschränkungen aus der benachbarten Klinik zu wenig Rechnung getragen wird und dass die zentrale Rolle des Europaplatzes herausgearbeitet werden muss. Die fünf Gruppen hatten zur Umgestaltung die folgenden Ideen:

„wood-world of wisdom“

Bei räumlichen Einfassungen des Europaplatzes mit massiven Holzzäunen oder Pergolen, bei Wegebelägen und Outdoormöbeln und im Spiel- und Aktionsbereich wird Holz verwendet. Ein mittig angeordneter Brunnen mit rund herum angeordneten Sitzelementen und die Öffnung der geschlossenen Hecken zum Rosengarten und der Outdoorgastronomie der Försterei geben dem Europaplatz seine zentrale Rolle wieder und verzahnen ihn gleichzeitig mit der Umgebung. Spiel- und Aktionsbereiche im Norden und ein Sinnesgarten mit Barfußpfad im südlichen Anschluss runden das Angebot an die unterschiedlichen Nutzergruppen ab. In einem Bauerngarten soll auch naturpädagogisch Anbau, Ernte und Bewirtschaftung anschaulich gemacht werden. Von der fünfköpfigen Fachjury unter Leitung von Dipl. Ing Hans Tovar, Mitglied im Vorstand des Fördervereins, wird dieser Entwurf als Sieger bewertet.

Der blaue Faden

Ein blaues Band, das zum Teil aus einem Wasserlauf oder blauen Glasbruchsteinen besteht, verbindet die unterschiedlichen Parkteile miteinander, wobei der Europaplatz als Dorfplatz umgestaltet und mit oval angeordneten Sitzelementen betont und gefasst wird. Kleinere zusammengelegte Flächen ergeben in der Vorentwurfsplanung einen Bühnenbereich im Norden. Besonders spannend ist ein Minibaumwipfelpfad für Kinder. Ein Bewegungsgarten mit Gehlernpfad berücksichtigt sehr ansprechend die Rehabilitation vieler Patienten in parkartiger Umgebung im Freien.

Sinnliches Erfahren

Die Anregung aller fünf Sinne und die Verknüpfung mit den Inhalten der Kneipp‘schen Lehre spielen eine zentrale Rolle bei diesem Entwurf. Die Wirkung der unterschiedlichen Farben auf das Wohlbefinden des Menschen wird in einem eigens kreierten Logo und einem zentralen Brunnen auf dem Europaplatz veranschaulicht. Ein im großzügigen Kneipp- und Aktionsbereich entspringender Bach im Norden des Planungsgebietes verknüpft die unterschiedlichen Bereiche miteinander. Ein zentraler Barfußpfad und Maxifühlboxen lassen auch den Tastsinn intensiv erleben. Generationsübergreifende Erfahrungen sind in diesem Entwurf ebenso berücksichtigt wie das Eingehen auf Bedürfnisse von Menschen mit unterschiedlichen Behinderungen.
Die Jury platzierte diese beiden Entwürfe gleichwertig auf Platz 2.

Europa – einmal rundum

Ein wahres Feuerwerk brannte diese Gruppe ab, indem sie Europa ganz konsequent sichtbar in seinen Konturen über die Gesamtfläche gelegt hatte. Erlebbar werden sollten die Ländergrenzen durch blaue Bänder aus Stein und der Europlatz rückt konsequent wieder in den Mittelpunkt der Anlage. Die jeweiligen Länder geben den Bereichen ihren Namen, der Gastrobereich wandelt sich in einen British und einen Irish Pub und in Litauen, wo die Partnerstadt Bad Iburgs liegt, befindet sich ein Barfußpfad. Im Erlebnisbereich im Norden führt eine Seilbahn vom Europaturm Richtung Baltische See, die auf Trittsteinen durchquert werden kann. Alle verwendeten Pflanzen sind konsequent in den europäischen Farben blau und gelb gehalten, so auch der zentrale Blauglockenbaum auf dem Europaplatz. Die jungen Planer haben auch ein Europator und einen Europatunnel im Landartstil sowie ein Outdoormuseum zum Thema Europa vorgesehen. Nach der Präsentation wurden die Gäste mit Scones verwöhnt.

Wald, Wege, Wiesen

Dieser Entwurf setzt ganz klar auf Natürlichkeit und die Lage Bad Iburgs in der umgebenen Landschaft. Der Europaplatz und die umliegenden Flächen wurden entsiegelt und in einen Wald umgewandelt, der bis in die Sommergastronomie der Försterei und den Rosengarten hereinreicht. Wie im angrenzenden großen Wald, sind Buchen und Eichen vorgesehen. Den Wald durchzieht ein Wegenetz und ein mäandernder Bachlauf. Die nördlichen Wiesenflächen können für Veranstaltungen genutzt werden, die zentrale Wiesenfläche durchquert ein Barfußpfad. Ein Blumenstreifen als Eyecatcher verbindet wie ein buntes Band Sommergastro, Wald, Wiesen, Rosengarten und den ehemaligen Friedhofsbereich. Eine Maxiliege im Detail für den Ruhebereich im Wald ist ansprechend im Modell präsentiert.

Die Jury war sich einig, dass die jungen Studenten aller Gruppen mit ihren unterschiedlichen Entwürfen äußerst wertvolle Informationen und geniale Ideen entwickelt und diese souverän präsentiert haben.
Der Förderverein der Landesgartenschau Bad Iburg 2018 prämierte den Siegerentwurf und die beiden zweiten Plätze mit einem Preisgeld von insgesamt 500 Euro. Zum Ausklang des spannenden Nachmittages hatte Veit Engelker, der Geschäftsführer der Landesgartenschau gGmbH und der Baumwipfelpfad UG, in die Sommergastronomie der Försterei am Baumwipfelpfad eingeladen.

 

 

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